Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Das problematische Ernährungsverhalten bei einer Essstörung kann das Körpergewicht beeinflussen. Wer aufgrund einer Magersucht kaum noch etwas isst, nimmt zwangsläufig ab. Umgekehrt können Essanfälle vor allem bei der Binge-Eating-Störung zu einer Gewichtszunahme führen.
Dennoch hat nicht jeder Mensch mit deutlichem Untergewicht oder Übergewicht automatisch eine Essstörung. Und: Nicht allen Betroffenen sieht man die Erkrankung an. Viele haben Normalgewicht. Dies gilt häufig etwa für
- an Bulimie Erkrankte, die durch Erbrechen oder andere Maßnahmen einer Gewichtszunahme infolge ihrer Essattacken bewusst entgegenwirken,
- von Mischformen Betroffene, bei denen sich Phasen übermäßiger Nahrungsaufnahme oft mit Zeiten abwechseln, in denen sie streng Diät halten,
- Jungen und Männer mit Essstörungen, die einen Gewichtsverlust nicht selten durch exzessiven Sport und gezielten Muskelaufbau ausgleichen.
Ein auffallend niedriges oder hohes Körpergewicht kann Anhaltspunkt für das Vorliegen einer Essstörung sein. Doch wichtiger als die Figur sind andere typische Krankheitszeichen. Wenn auch sie vorhanden sind, besteht begründeter Verdacht auf eine Essstörung. Die Erkrankung sicher feststellen können allerdings nur Fachleute.
Wie lässt sich das Gewicht beurteilen?
Zur Einschätzung des Gewichts wird oft der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Er ist eine international gängige Methode, den Ernährungszustand eines Menschen ohne aufwändige Messungen zu beurteilen. Der Wert setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße.
Durch Berücksichtigung der Körperlänge ist der BMI aussagekräftiger als nur das Gewicht auf der Waage. Denn es macht einen Unterschied, ob eine große Person 70 kg wiegt oder eine sehr kleine.
Wie das Gewicht bezogen auf die Größe zu bewerten ist, zeigt ein Abgleich mit Referenzdaten. Um sie zu erhalten, wurde der BMI tausender Personen erhoben und hinsichtlich Sterblichkeits- und Krankheitsraten ausgewertet.
Dabei zeigte sich, dass bei zu hohem BMI unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen messbar ansteigt. Umgekehrt erhöht sich bei zu niedrigen Werten die Wahrscheinlichkeit von Mangelerscheinungen.
Entsprechend haben Fachleute statistische Grenzwerte festgelegt, die den Übergang vom gesundheitlich optimalen zum auffälligen Gewicht markieren. Je nachdem, in welchem Bereich der BMI liegt, lässt sich so ermessen, ob jemand als normal-, unter- oder übergewichtig einzustufen ist.
Welche Aussagekraft hat der BMI?
Der BMI ermöglicht eine grobe Einschätzung, wie gut das Körpergewicht zur Größe passt. Dies kann helfen, Veränderungen oder Auffälligkeiten frühzeitig zu bemerken. Wichtig ist dann, ärztlichen Rat einzuholen. Denn der BMI reicht als alleinige Information zur Bewertung des Gewichts nicht aus.
So gibt der BMI KEINE AUSKUNFT darüber,
- wodurch ein Unter- oder Übergewicht verursacht ist. Dahinter kann vieles stecken – angefangen von erblicher Veranlagung bis hin zu organischen oder seelischen Erkrankungen.
- wie sich das Körpergewicht zusammensetzt. Der Anteil an Fettgewebe, Muskeln und Wasser kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Muskelmasse ist schwerer als Fett. Dadurch werden etwa Menschen, die viel Sport treiben und stark bemuskelt sind, manchmal fälschlicherweise als übergewichtig eingestuft.
- wo Fettgewebe im Körper sitzt. Von seiner Lage hängt aber der Krankheitswert ab. Fett an Po und Hüfte gilt als eher harmlos. Dagegen erhöht bauchbetontes Übergewicht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen.
- ob jemand gesund ist. Auch Menschen mit Normalgewicht können Beschwerden haben, psychisch belastet sein oder von körperlichen Erkrankungen betroffen sein.
Der BMI muss immer im Einzelfall und in Verbindung mit weiteren Faktoren betrachtet werden. Erst zusammen mit individuellen Einflüssen wie etwa dem Körperbau, dem Bewegungs- und Ernährungsverhalten oder der gesundheitlichen Situation lässt sich entscheiden, ob das Gewicht einer Person Anlass zur Sorge gibt.
Wie wird der BMI berechnet?
Der BMI ergibt sich, indem Körpergewicht und Körpergröße nach folgender Formel ins Verhältnis gesetzt werden:
BMI = Körpergewicht in kg / (Körpergröße in m)²
Diese Formel gilt für alle Menschen. Allerdings wird der errechnete Wert unterschiedlich interpretiert – je nachdem, ob sich jemand noch im Wachstum befindet oder die körperliche Entwicklung schon abgeschlossen ist. Denn für Kinder und Jugendliche gibt es andere Referenz- und Grenzwerte zur Gewichtsbeurteilung als für Erwachsene.
Das BIÖG bietet die Möglichkeit, den BMI zu ermitteln und anhand der entsprechenden Vergleichsdaten einzuordnen. Wählen Sie dazu nachfolgend den passenden BMI-Rechner aus. Sie werden anschließend direkt zur richtigen Seite weitergeleitet. Dort können Sie die erforderlichen Daten eingeben und die Auswertung starten.
Die Berechnung und allgemeine Bewertung des BMI ist kein Ersatz für eine fachliche Einschätzung des Gewichts. Unabhängig vom Ergebnis ist ratsam, zur genaueren Abklärung eine Ärztin und eine Arzt aufzusuchen. Dies gilt insbesondere, wenn typische Krankheitszeichen für das Vorliegen einer Essstörung sprechen.
