Essstörungen können sich durch eine Vielzahl an Symptomen äußern. Je nach Art der Essstörung unterscheiden sich typische Krankheitszeichen. Daneben gibt es einige gemeinsame Merkmale. Sie betreffen unter anderem das Denken, Fühlen und Selbstbild Erkrankter. Wie es in ihnen aussieht, können Betroffene nur selbst herausfinden.
Einige Hinweise auf eine Essstörung sind aber auch nach außen hin sichtbar. Warnsignale für Bezugspersonen können neben problematischen Ernährungsgewohnheiten zum Beispiel Auffälligkeiten im Umgang mit Betroffenen sein. Manchmal deuten zudem körperliche Veränderungen, etwa beim Körpergewicht, auf eine Erkrankung hin.
Worauf können Betroffene achten?
Bei der Selbstbeobachtung kommt es darauf an, ehrlich zu sich zu sein. Lediglich das Ernährungsverhalten zu analysieren, reicht nicht. Essstörungen sind kein rein körperliches Problem. Sie spiegeln vielmehr tieferliegende seelische Konflikte wider. Betroffene müssen sich daher auch mit typischen Denkmustern und Emotionen im Zusammenhang mit der eigenen Person oder dem Essen auseinandersetzen.
Grundsätzlich gilt: Essstörungen sind nie selbstverschuldet. Selbstkritik erschwert es zusätzlich, eine Erkrankung zu akzeptieren und Hilfe anzunehmen. Daher ist wichtig, sich sachlich mit der Situation auseinanderzusetzen und mögliche Krankheitszeichen wertfrei zu betrachten.
Problematische Essgewohnheiten
Je nach Essstörung können unterschiedliche Auffälligkeiten auftreten. Dazu zählen beispielsweise
- ständige Diäten, eingeschränkte Lebensmittelauswahl, Essen nach strengen Regeln oder Ritualen
- anfallsartige, hastige Aufnahme ungewöhnlich großer Nahrungsmengen (Essattacken)
- heimliches Essen und Meidung von Mahlzeiten in Gesellschaft
- Horten und Verstecken von Nahrung
- gewichtsregulierende Maßnahmen wie selbst herbeigeführtes Erbrechen oder übertriebener Sport
Kontrollverlust
Ein zentrales Kriterium ist, dass sich das problematische Essverhalten verselbstständigt hat. Betroffene
- können es nicht abstellen, selbst wenn sie es möchten oder sich schädlicher Folgen im Klaren sind.
- sind nicht in der Lage, beim Essen Art und Menge der Nahrung willentlich zu steuern,
- spüren natürliche Signale wie Appetit, Hunger und Sättigung nicht mehr oder ignorieren sie.
- haben nach einem Essanfall oder Kontrollverlust starke Schuld-, Scham- oder Ekelgefühle.
- empfinden Essen und Mahlzeiten nicht als genussvoll, sondern als Belastung.
Selbstwahrnehmung
Für eine Essstörung kann unter anderem auch sprechen, wenn Betroffene
- mit sich, ihrem Äußeren und ihrem Körper in hohem Maß unzufrieden sind,
- ihren Selbstwert sehr stark von ihrem Aussehen abhängig machen.
- sich übermäßig mit ihrer Ernährung, ihrem Gewicht und ihrer Figur beschäftigen.
- ständig Sorge haben, vermeintlich zu dick zu sein oder (weiter) zuzunehmen.
- an ihrem Körper Makel sehen, die für andere nicht erkennbar oder unbedeutend sind.
Sonstige Warnzeichen
Hinzukommen können weitere Auffälligkeiten. So kann eine Essstörung dazu führen, dass Betroffene
- in kurzer Zeit stark ab- oder zunehmen und ein Untergewicht bzw. Übergewicht entwickeln
- an Unruhe, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Herzrhythmusstörungen oder anderen Beschwerden leiden.
- das Interesse an bisherigen Aktivitäten verlieren oder Verpflichtungen vernachlässigen.
- aus Angst, mit ihrem Essverhalten aufzufallen, Kontakte zu anderen Menschen vermeiden.
- an Stimmungsschwankungen leiden, niedergeschlagen sind oder gar Suizid-Gedanken haben.
Wer solche Anzeichen bei sich beobachtet, sollte dringend Unterstützung suchen. Ein erster Schritt kann sein, sich jemanden aus dem Umfeld anzuvertrauen. Gespräche entlasten und nehmen das Gefühl, allein zu sein. Zudem können Bezugspersonen ermutigen, professionelle Angebote für eine Beratung oder Therapie wahrzunehmen.

Bei der Entwicklung von Essstörungen spielen psychische Probleme eine wichtige Rolle. Wie man sie erkennt, erläutert der Kurzfilm „Alles okay? So checkst Du Deinen inneren Zustand!“ auf unserer Erklärvideoseite.
Worauf kann das Umfeld achten?
Manche Menschen mit Essstörungen erleben sich durch ein gestörtes Körperbild nicht als krank. Umso mehr sind sie auf Beistand von außen angewiesen. Engere Kontaktpersonen bemerken oft als erstes, dass etwas nicht stimmt. Folgende Anzeichen können darauf hindeuten, dass jemand möglicherweise an einer Essstörung leidet.
Verändertes Essverhalten
Viele Erkrankte verheimlichen problematische Essgewohnheiten. Auffallend kann jedoch sein, dass Betroffene
- nur wenig zu sich nehmen, kalorienreiche Speisen meiden oder sich sehr einseitig ernähren.
- zu Tisch normal essen, aber häufiges Verschwinden danach auf Erbrechen hindeutet.
- sich strikte Ernährungsregeln auferlegen und diese geradezu zwanghaft einhalten.
- gemeinsame Mahlzeiten vermeiden und lieber allein essen.
Körperliche Auswirkungen
Auf eine Essstörung als mögliche Ursache kann zudem hindeuten, wenn bei der betreffenden Person
- ein rascher Gewichtsverlust auftritt oder sie in kurzer Zeit stark zunimmt.
- ein deutlich schwankendes Körpergewicht zu beobachten ist.
- zum Beispiel ständige Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden oder Magen-Darm-Problemen bestehen.
Seelische und soziale Auffälligkeiten
Mögliche Veränderungen, die im Zusammenhang mit einer Essstörung häufig auftreten, sind auch
- anhaltende Niedergeschlagenheit, Bedrücktheit, Reizbarkeit oder Aggressivität,
- plötzlicher Leistungsabfall in Schule, Studium und Ausbildung oder berufliche Probleme,
- verringertes Interesse an Hobbies sowie anderen Freizeitbeschäftigungen,
- Rückzug mit zunehmender Einschränkung von Kontakten im Freundes- oder Bekanntenkreis.
Weitere mögliche Anzeichen
Außerdem kann im Ernstfall eine Essstörung dahinterstecken, wenn Betroffene
- dauernd oder phasenweise auffällig viel Sport treiben, um Gewicht zu verlieren oder nicht zuzunehmen.
- mit weiter Kleidung versuchen, Gewichtsveränderungen zu kaschieren.
- ständig über Kalorien, Diäten, die Ernährung oder das Körpergewicht sprechen.
- sich häufig negativ über ihre Person, ihre Figur und ihr Aussehen äußern.
Wer solche Auffälligkeiten bei einer nahestehenden Person bemerkt, sollte sie direkt ansprechen. Es kostet oft Überwindung, beunruhigende Beobachtungen mitzuteilen. Manche Betroffene reagieren vielleicht abweisend. Viele sind jedoch froh, dass sich jemand kümmert und sorgt. Tipps zur Gesprächsgestaltung finden Sie hier.
Was bei bestehenden Anzeichen tun?
Selbstbeobachtung und Aufmerksamkeit durch das persönliche Umfeld helfen, eine Essstörung oder Gefährdung frühzeitig zu erkennen. Auch Selbsttests, die an verschiedenen Stellen im Internet angeboten werden, können erste Hinweise geben. Ob eine Erkrankung tatsächlich vorliegt, können allerdings nur besonders ausgebildete Fachleute beurteilen. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Unspezifische Symptome
Viele andere psychische Störungen äußern sich durch ähnliche Krankheitszeichen. So können etwa Depressionen ebenfalls von Appetitverlust oder Essanfällen begleitet sein. Auch eine Muskelsucht geht oft mit auffälligem Ernährungsverhalten einher. Und: Hinter körperlichen Anhaltspunkten wie etwa extremer Schlankheit oder Übergewicht kann genauso eine bislang unentdeckte organische Erkrankung stecken.
Schleichender Übergang
Besondere Essgewohnheiten können Ausdruck eines individuellen Lebensstils sein. Die Grenzen zwischen ungewöhnlicher und krankhafter Ernährung sind fließend. Anhand einzelner Auffälligkeiten lässt sich daher nicht sagen, ob eine behandlungsbedürftige Essstörung besteht. Entscheidend ist vor allem, wie sich das Essverhalten auf das gesundheitliche, psychische und soziale Wohlbefinden Betroffener auswirkt.
Unklare Zuordnung
Die bekanntesten Essstörungen sind die Magersucht, Bulimie und Binge-Eating-Störung. Viele Betroffene zeigen jedoch überlappende, wechselnde oder nicht alle Krankheitskriterien. Manchmal treten sie auch nur zeitweise auf. Eine unklare Symptomatik lässt oft andere Ursachen vermuten. Misch- und Sonderformen einer Essstörung sind jedoch nicht weniger schwerwiegend als die drei Hauptformen. Auch sie erfordern eine fachliche Behandlung.
Individueller Therapiebedarf
Eine professionelle Diagnose ist zudem Voraussetzung dafür, die im Einzelfall richtige Behandlung zusammenzustellen. Sie hängt nicht nur von der Art der Essstörung ab. Auch die Schwere der Erkrankung und die persönlichen Lebensumstände Betroffener spielen bei der Therapieplanung eine Rolle. Um alle diese Faktoren zu berücksichtigen, braucht es entsprechende Fachkenntnisse und viel Erfahrung.
Essstörungen sind komplexe psychische Erkrankungen mit vielen Ausprägungen und Erscheinungsformen. Erst eine umfassende fachliche Einschätzung zeigt, ob jemand betroffen ist oder andere Gründe für die beobachteten Auffälligkeiten verantwortlich sind.
Bei Verdacht auf eine Essstörung ist daher wichtig, möglichst bald fachlichen Rat einzuholen. Im Idealfall wenden sich Betroffene zur Abklärung direkt an spezialisierte Expertinnen und Experten. Angehörige oder Vertraute können dorthin begleiten. Welche Fachkräfte für die Diagnose psychischer Erkrankungen zuständig sind, wird hier erläutert.
Wer den Besuch einer Fachpraxis scheut oder erst genauere Informationen einholen möchte, kann zunächst auch andere professionelle Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen. Bei der weiteren Einschätzung der Situation helfen beispielsweise diese Anlaufstellen:
