Wer stellt die Diagnose?

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Arzt am Laptop mit Klemmbrett und Stethoskop daneben

Wer stellt die
Diagnose?

Menschen, die das Gefühl haben, unter einer Essstörung zu leiden, sollten unbedingt eine Expertin bzw. einen Experten aufsuchen. Denn nur sie können beurteilen,

  • ob eine Essstörung vorliegt oder das problematische Ernährungsverhalten andere Ursachen hat.
  • um welche Art von Essstörung es sich konkret handelt und wie schwer sie ausgeprägt ist,
  • ob möglicherweise begleitend weitere seelische Erkrankungen (Komorbiditäten) bestehen.

Eine fachlich fundierte Diagnose ist Voraussetzung für eine anschließende Therapie, die Betroffene dringend benötigen. Vom individuellen Befund hängt ab, welche Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind und welche Versorgungsform infrage kommt.

Welche Fachkräfte sind zuständig?

In Deutschland dürfen ausschließlich speziell ausgebildete Fachkräfte psychische Erkrankungen wie Essstörungen diagnostizieren. Über die nötige Erfahrung und Qualifikation verfügen

  • Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Fachärztinnen und -ärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  • Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die Erfahrungen mit Essstörungen haben

Die Behandlung seelisch erkrankter Menschen durch eine Psychotherapie können die genannten Berufsgruppen ebenfalls übernehmen. Tätig sind sie in ambulanten Praxen oder stationären Einrichtungen.

Nur Fachkräfte mit einer abgeschlossenen medizinischen Ausbildung sind berechtigt, im Rahmen der Befundung auch körperliche Untersuchungen vorzunehmen. Daher empfiehlt es sich bei Verdacht auf eine Essstörung, zur Diagnosestellung direkt eine fachärztliche Praxis aufzusuchen.

Wie finde ich geeignete Einrichtungen?

Fachärztliche oder psychotherapeutische Praxen im Umkreis sind beispielsweise über das örtliche Telefonbuch oder im Internet zu finden. Für den Besuch dort reicht es, sich telefonisch oder online anzumelden. Eine Überweisung ist nicht nötig. Sie kann jedoch helfen, schneller einen Termin zu bekommen.

Bei der Suche nach diagnostizierenden Fachkräften vor Ort können außerdem diese Anlaufstellen weiterhelfen:

  • Beratungstelefon des BIÖG: Hier können Sie kostenlos und anonym anrufen. Das Beratungsteam kann Ihnen qualifizierte Praxen nennen, an die Sie sich wenden können. Ausführliche Informationen zu diesem Unterstützungsangebot finden Sie hier.
  • Fachberatungsstellen: Auch dort kann man Ihnen in der Regel sagen, wo es spezialisierte Expertinnen und Experten in Ihrer Nähe gibt. Adressen von Beratungseinrichtungen für Essstörungen finden Sie in der bundesweiten Datenbank.
  • Haus- oder kinderärztliche Praxen: Dort tätige Ärztinnen und Ärzte können eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Bei Bedarf überweisen sie an Facheinrichtungen, die sich mit Essstörungen auskennen und weiterführende Untersuchungen vornehmen.
  • Patientenservice 116 117: Der Dienst der kassenärztlichen Bundesvereinigung vermittelt zeitnah Termine in fachärztlichen Praxen. Bei seelischen Anliegen benötigen Sie allerdings meist eine ärztliche Überweisung mit Dringlichkeitscode. Den Service können Sie telefonisch, online oder per App nutzen. Mehr dazu erfahren Sie hier.  
  • Krankenkassen: Viele stellen ihren Versicherten auch einen eigenen Facharztterminservice zur Verfügung. Ob Ihre Krankenkasse diese Leistung anbietet, können Sie auf deren Internetseite nachlesen oder telefonisch erfragen.

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Viele an einer Essstörung Erkrankte und auch Angehörige erleichtert es, endlich Klarheit zu haben. Die Diagnose wirft aber auch viele Fragen auf. Wie sieht die Behandlung aus? Kann sie ambulant erfolgen oder ist die (teil)stationäre Aufnahme in eine Fachklinik erforderlich? Wie lange dauert die Therapie? Ist eine vollständige Genesung möglich?

Begleitende Fachkräfte beraten, klären auf und geben so viele Antworten wie möglich. Zudem unterstützen sie auf dem Weg in die Behandlung und bei der Suche nach Therapieeinrichtungen. Allerdings deckt das verfügbare Angebot bei weitem nicht den Bedarf. Dies kann dazu führen, dass Menschen mit Essstörungen und anderen seelischen Erkrankungen nicht sofort einen Therapieplatz bekommen.

Auf den Beginn der Behandlung Wochen oder gar Monate warten zu müssen, ist für Betroffene und deren Familie oft schwer belastend. Welche Maßnahmen helfen können, Wartezeiten zu verkürzen oder zu überbrücken, lesen Sie hier.

Was kann ich selbst tun, um psychisch stabil zu bleiben? Wie merke ich, dass sich mein seelischer Zustand verschlechtert? Und was tun, wenn es zu einer akuten Krise kommt? Informationen und Tipps rund um diese Fragen erhalten Sie hier.